Am Vormittag des 8. April 1945 wurde Halberstadt Ziel eines Luftangriffs der 8. US-Flotte. Vier Geschwader mit 218 Maschinen und einer Bombenlast von 550 Tonnen nahmen zunächst Kurs auf Zerbst und Staßfurt, schwenkten dann aber wegen der über Halberstadt günstigeren Wetterlage um und änderten entsprechend ihr Ziel. In dem Präzisionsbombardement und den sich daraus ergebenden Bränden wurde die Stadt zu drei Vierteln vernichtet. Zwischen 1800 und 3000 Menschen fanden den Tod.
Auch wenn städtebauliche Maßnahmen gerade in den letzten Jahren dazu beigetragen haben, die offensichtlichen Wunden des Krieges zu behandeln und zu schließen, die Narben bleiben und sind sichtbar.
Der 60. Jahrestag dieses verheerenden Angriffs wurde zum Anlass genommen, in einer großen, öffentlichen Lesung des Ereignisses und seiner Opfer zu gedenken.
Diese Inszenierung sollte einen Beitrag leisten, dass das Schicksal der Stadt und ihrer Bewohner Teil einer kollektiven Erinnerung wird und bleibt. Dabei verstand sie sich als Trauerarbeit, ohne jedoch den historischen Kontext und die politischen Umstände des Jahres 1945 aus den Augen zu verlieren.
Es fanden gleichzeitig an vier markanten Orten der Stadt Lesungen statt. Veranstaltungsorte waren: das Theater, die Martinikirche, der Bibliothekskeller und die Galerie im Kunsthof. Hier wurden in der Zeit von 12.00 Uhr bis 19.30 Uhr Textabschnitte von etwa 5 bis 10 Minuten Dauer vorgelesen.
Eine Grundlage der Textauswahl war Alexander Kluges "Der Luftangriff auf Halberstadt am 8. April 1945" in seiner "Chronik der Gefühle" aber auch private Texte und Dokumente von Zeitzeugen. Die Abfolge der Texte an allen Lesungsorten sollte synchron sein, so dass Zuschauer, die sich auf den Rundweg begeben, an jedem Ort andere Texte hören konnten.
Die Lesung sollte Zuhörern die Möglichkeit bieten, von einem Lesungsort zum anderen zu wechseln und dabei, unterstützt von einem Wegeplan, die Verwüstung des Angriffs nachzuvollziehen. Zuschauer konnten entweder an nur einem Ort an der Lesung teilnehmen und zuhören, oder sich auf den Weg machen und die Stadt heute unter den Eindrücken von damals begehen und erkunden.
Veranstalter des Projektes waren

und die

Gefördert wird es durch die

Kooperationspartner waren das Kuratorium Stadtentwicklung, der Geschichtsverein, die Kirchen, die Galerie am Kunsthof und die Gedenkstätte Langenstein-Zwiebergen. Letztere veranstaltete zum Gedenken an den 60. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Langenstein - Zwiebergen die Tage der Begegnung 2005, deren Programm
hier einzusehen ist.
Die künstlerische Leitung von Dem Gleich fehlt die Trauer hatte André Bücker, amtierender Intendant des Nordharzer Städtebundtheaters und designierter Intendant des Anhaltischen Theaters Dessau.